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Frauen in der Destillationsgeschichte: Die Geschichte der weiblichen Master Distillers

Die Geschichte des Destillierens wird häufig als eine von Männern dominierte Erzählung präsentiert – mit schottischen Distillern, Kentucky-Bourbon-Patriarchen und irischen Whisky-Dynastiegründern im Mittelpunkt. Doch diese Darstellung ignoriert Jahrhunderte, in denen Frauen nicht am Rand der Destillationsgeschichte standen, sondern in deren Kern: als Klosterbrennerinnen, Kräuterkundlerinnen, Hebammen und Haushälterinnen, die Destillation als praktisches Handwerk beherrschten, lange bevor sie als Industriezweig formalisiert wurde.

Die Rückkehr von Frauen in sichtbare Führungspositionen der modernen Destillationswirtschaft ist daher kein Novum – es ist eine Rückkehr zu einem historischen Normalzustand, von dem das 19. und 20. Jahrhundert eine Abweichung darstellten.

Die mittelalterliche Hausbrennerin und die Klosterdestillation

In mittelalterlichen Haushalten war die Herstellung von Destillaten eine häusliche Tätigkeit, die überwiegend Frauen oblag. Kräuterdestillate für medizinische Zwecke – Theriakwasser, Lavendelöl, Rosenwasser – wurden in einfachen Alambiques auf Küchenfeuern destilliert. Die Destillationskunst war Teil des Wissens, das Frauen in ihrer Rolle als Heilkundige und Hauswirtschaftlerinnen beherrschten.

In Klöstern, wo sowohl Mönche als auch Nonnen Kräutergärten unterhielten und Destillate für die Krankenpflege herstellten, gab es keine geschlechtliche Beschränkung im Zugang zu Destillationsapparaten. Hildegard von Bingen, die deutschen Universalgelehrten des 12. Jahrhunderts, hat in ihren medizinischen Schriften detaillierte Anweisungen zu Destillationsverfahren hinterlassen – sie war eine der frühesten namentlich bekannten Destillationsexpertinnen Europas.

Der Ausschluss im 18. und 19. Jahrhundert

Die Industrialisierung der Destillation veränderte die Geschlechterdynamik fundamental. Als Brennen von einem Haushalt-Handwerk zu einem Industrie- und Handelsberuf wurde, zogen sich Frauen – oder wurden gedrängt – aus sichtbaren Führungspositionen zurück. Gesetzgebung, Berufsverbände und Kapitalstrukturen des 19. Jahrhunderts benachteiligten Frauen systematisch in gewerblichen Unternehmungen.

In Kentucky wurden Bourbon-Destillerien Mitte des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich von Männern betrieben; in Schottland dominierten Männer ab der Industrialisierung der 1820er Jahre. Die Prohibition in den USA (1920–1933) brachte zwar viele Destillerien zu Fall, aber die Frauen, die die Temperanz-Bewegung ursprünglich unterstützt hatten (in der Hoffnung auf eine gerechtere Gesellschaft), sahen sich nach der Aufhebung der Prohibition mit einer Spirituosenbranche konfrontiert, in der sie kaum Platz hatten.

Erste Rückkehr: Frauen in der Post-Prohibition-Ära

Einzelne Frauen übernahmen nach der Prohibition Verantwortung in Familienbetrieben – oft wenn kein männlicher Nachfolger vorhanden war oder wenn Ehemänner früh starben. In Kentucky leitete Prohibition-era Figuren wie Distillery owner Maggie Vogel kurzzeitig Betriebe, bevor Familienrecht und soziale Normen sie wieder aus dem Blickfeld drängten.

In Europa war die Situation diffuser: In vielen deutschen und österreichischen Obstbrennereien führten Frauen Familienbetriebe durch die Kriegs- und Nachkriegszeiten, ohne als Führungskräfte anerkannt zu werden. Ihre Arbeit war real und entscheidend; ihre Anerkennung blieb aus.

Die Pionierinnen der modernen Ära

Der echte Wandel begann in den 1990er und frühen 2000er Jahren, als eine Handvoll Frauen erstmals in offiziellen Master-Distiller- oder Head-Distiller-Positionen große Öffentlichkeit erlangten. In Schottland war Maureen Robertson bei Glenlivet eine frühe Ausnahme; in Amerika wurde Marianne Barnes (Castle & Key Distillery, Kentucky) zur ersten weiblichen Master Distiller Kentuckys nach der Prohibition ernannt, als sie 2014 die aufzubauende Destillerie auf dem historischen Old Taylor Distillery-Gelände übernahm.

Melissa Katrincic gründete 2015 Durham Distillery in North Carolina und baute damit eines der ersten von einer Frau gegründeten und betriebenen Craft-Destillerien der amerikanischen Whisky-Renaissance. Ihr Algorithmic Gin und Conniption American Dry Gin gewannen internationale Auszeichnungen und bewiesen, dass weibliche Führung und Produktqualität keine Gegensätze sind.

Bedeutende Frauen in der heutigen Brennereibranche

Dr. Rachel Barrie, heute Master Blender bei Brown-Forman (verantwortlich für BenRiach, GlenDronach und Glenglassaugh in Schottland sowie Slane in Irland), ist eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der globalen Whisky-Industrie. Sie studierte Chemie an der Universität Edinburgh und arbeitete zunächst als Researcherin bei The Scotch Whisky Research Institute, bevor sie zur operativen Seite der Branche wechselte.

Donna Mackintosh ist Distillery Manager bei Tomatin in den Highlands und eine der wenigen Frauen in dieser Position in einem großen schottischen Traditionsbetrieb. Joyce Donahue leitet bei Heaven Hill in Kentucky Teile der Produktion – ein Unternehmen, das nach Jahrzehnten männlicher Dominanz zunehmend Frauen in Führungspositionen aufnimmt.

Illva Saronno, das italienische Traditionsunternehmen hinter Disaronno, sowie mehrere französische Cognac-Häuser beschäftigen inzwischen Frauen als Master Blenders. Bei Rémy Martin übernahm Pierrette Trichet 2003 als Chefverkosterin eine Schlüsselrolle und hielt sie bis 2014.

Warum Vielfalt in der Produktion Qualität fördert

Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass Vielfalt in der Zusammensetzung von Produktionsteams die Qualität der Endprodukte verbessert. In der Sensorik – der Aromaanalyse und Geschmacksbeurteilung – zeigen Studien, dass Frauen durchschnittlich eine größere Dichte an Geruchsrezeptoren besitzen und im Durchschnitt ein breiteres Aromagedächtnis entwickeln als Männer. Dies ist kein absoluter Vorteil, aber in der komplexen Welt des Whisky-Blending relevant.

Darüber hinaus bringt Vielfalt unterschiedliche Perspektiven auf Produktentwicklung, Vermarktung und Unternehmenskultur. Brennereien, die gezielt Frauen in Führungspositionen gewinnen, profitieren von einer breiteren Grundlage an Ideen und einem Zugang zu Konsumgruppen, die traditionelle Spirituosen-Marketing-Strategien often unterbewertet haben. Auf der Karte finden sich Destillerien weltweit – viele davon inzwischen mit weiblichen Führungspersönlichkeiten.

Die Zukunft

Der Anteil von Frauen in der Destillationsbranche steigt. In den USA liegt der Anteil weiblicher Craft-Destillerieinhaber heute bei über 20 Prozent – ein historischer Höchststand. Organisationen wie Women of the Vine & Spirits, Women's Cocktail Collective und die Scottish Women in Whisky-Initiative schaffen Netzwerke und Sichtbarkeit für Frauen in der gesamten Spirituosen-Wertschöpfungskette, von der Destillation bis zum Handel.

Die Geschichte der Frauen im Destillationshandwerk ist keine Geschichte des Außenseitertums – es ist eine Geschichte der Wiedereingliederung in ein Handwerk, das Frauen seit Jahrtausenden mitgeprägt haben.